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„Die Welt steht Kopf?“ – Mitgliederversammlung

Mitteilungsblatt 2018 KW 22

 Über 20 Personen fanden sich ein zur Mitgliederversammlung der Flüchtlingshilfe.

 

„Scheint die Welt nicht auf dem Kopf zu stehen?“ fragt Matthias Vering im Rahmen des Rechenschaftsberichts des Vorstands. Die aktuelle Lage ist merkwürdig aufgeregt: Es gibt einen Integrationsgipfel ohne Innenminister, das Schiff „Aquarius“ ist mühsam auf Hafensuche, die Regierung ist tief zerstritten etc. Er betont: wir dürfen uns hier in Bad Schönborn und Kronau nicht anstecken lassen von der Aufgeregtheit. Was wir am Anfang gesagt haben, ist auch heute noch gültig: „Wir Bürgerinnen und Bürger aus Bad Schönborn und Kronau sind bereit, Flüchtlinge in die Mitte unserer Gemeinschaft aufzunehmen und ihnen Sicherheit und neue Heimat zu gewähren.“

Die aktuellen Zahlen zur Flüchtlingssituation zeigen, dass die Aufregung nicht an einer akuten Zunahme der Flüchtlinge liegt. Im Gegenteil: seit einem Jahr kommen nur noch sehr wenige Flüchtlinge bei uns an. Was heißt das für uns? Bedarf und Nutzen haben sich verändert: der Bedarf wird in der Summe geringer, aber im Einzelfall höher. Darüber hinaus stiften wir Nutzen in der Kooperation mit den Kommunen („runder Tisch“, Fall-Management) und der GU-Leitung.

 

Insgesamt sind etwa 200 Flüchtlinge in Bad Schönborn und Kronau:

Unter dem Stichwort „Gute Nachbarschaft“ ist bei uns vieles gut gelungen:

  • Schulbegleitung, Nachhilfe- und Deutschunterricht
  • Unterstützung bei der Arbeitsvermittlung – Sprechstunden
  • Ausbildung und Einstiegsqualifizierungsstelle vermittelt
  • Begleitung in schwierigen Lebenssituationen (Arztbesuch, Behördengänge,…)
  • Normale Nachbarschaft: gemeinsam Essen, feiern, Sport treiben, ...
  • Zusammenarbeit mit den Ämtern, Kommunen, der GU-Leitung, mit Kirchen, Vereinen, etc.
  • Gute Wahrnehmung in der Öffentlichkeit in Bad Schönborn und Kronau und nach wie vor hoher Grad der Unterstützung für konkrete Anliegen.

Begleitung anbieten (Bettina Graef): Insgesamt ist der Aufwand zurück gegangen, aber mit großer Zuverlässigkeit lassen sich Menschen bitten, in schwierigen Situationen zu helfen. Daneben haben sich viele Kontakte und Kreise (Handarbeitskreis!) etabliert, die stabil laufen.

 

Lernräume bieten (Sandra Hubbe): Es gibt immer noch zwei Deutschkurse, aber das allermeiste wird durch Schulbegleitung und konkrete Nachhilfe (eins zu eins) geleistet. Was passiert mit Flüchtlingen, die die Sprache nicht erlernen wollen? „Die sehen wir nicht“, antwortet Sandra Hubbe. Lernräume und Begleitung werden zunehmend ähnlich und überlappen sich.

 

Arbeit finden (Sabine Schroter): Die Zahlen derer, die Arbeit finden, sind erfreulich hoch. Die Sprechstunde hat sich bewährt und wird gut genutzt. Die Kompetenz und die Ausdauer von Kurt Kohl werden von vielen gelobt. Auch Flüchtlinge von Östringen nutzen unser Angebot – das ist ok. Auch hier merken wir, wie die Themen „Begleitung“, „Lernen“ und „Arbeit“ zunehmen zusammen wachsen und die Sprechstunde zentrale Drehscheibe für Treffen, Absprachen und Koordination geworden ist.

 

Netzwerken (Dennis Eidner): Das vom Kommunikationsteam erreichte Netzwerk ist nach wie vor groß: ca. 800 Verknüpfungen auf Facebook, aufmerksame Leser in den Ortsblättern und insbesondere schnelle Erfolge bei Spendenaufrufen (Sachspenden) für besondere Situationen zeigen, dass es nach wie vor große Interesse an der Situation vor Ort und große Bereitschaft zur Unterstützung gibt. „Eigentlich gibt es so viele tolle Sachen, die bei uns passieren – man könnte eine ganze Redaktion damit beschäftigen…“, meint Dennis Eidner, um dann fortzufahren: „Aber wir drei können das natürlich nicht sein. Wenn ihr etwas für uns habt – nur her damit!“

 

Beide Vertreter der Gemeinden bedanken sich ganz ausdrücklich für die geleistete Arbeit. „Durch Ihre Arbeit werden Dinge möglich, die wir gar nicht angehen können, die aber sehr in unserem Sinne sind. Sie helfen uns nicht nur, unsere Arbeit gut zu machen, sie erweitern das Spektrum auch um Aufgaben, die keine Kommune leiten kann!“, gibt Bürgermeister Frank Burkhard aus Kronau das Lob der Gemeinde weiter, und Martina Weiß stimmt ihm für Bad Schönborn und zu bedankt sich ebenfalls auch im Namen des Bürgermeisters Detlev Huge für die geleistete Arbeit und für die gute Zusammenarbeit.

 

Wir haben gelernt, dass der „Integrations-Dreiklang“ von Arbeit, Wohnen und Sprache durchgängig gültig erst. Alle drei Themen müssen zusammen gesehen und zusammen gelöst werden. Bürgermeister Frank Burkhard erläutert, wie die Kommune die Erstellung von günstigem Wohnraum plant und weist darauf hin, dass es sich dabei nicht nur um Wohnungen für Flüchtlinge handelt, sondern dass auch Raum für Obdachlose geschaffen werden muss. Insgesamt ist die Verfügbarkeit günstigen Wohnraums nicht zufriedenstellend.

 

Ein besonderer Dank gilt den Menschen, die sich in der Schulbegleitung engagiert haben und die dafür von der Gemeinde Kronau mit der Verdienstmedaille ausgezeichnet wurden. Ebenso wurde die Kassenführung geprüft und gelobt und der Vorstand wurde ohne Gegenstimme entlastet.

 

Wie in den vergangenen Jahren lud der Vorstand Mitglieder und Interessierte anschließend zu einem kleinen Empfang ein, der von vielen Teilnehmern zum Austausch, zum Erzählen und zur Begegnung genutzt wurde. Vielen Dank an alle, die dabei mittun, dass Flüchtlinge in Bad Schönborn Sicherheut und eine neue Heimat finden können.

 

(Matthias Vering)