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Praktikum im Bereich Schulbegleitung

Mitteilungsblatt 2019

 

Praktikum bei der Flüchtlingshilfe Bad Schönborn/Kronau im Bereich Schulbegleitung

Interview

 

Hallo Marie, du hast gerade dein zweiwöchiges Sozialpraktikum für die 11. Klasse am Gymnasium bei uns absolviert. Wir hätten dazu einige Fragen an dich:

 

Wie bist du auf die Flüchtlingshilfe Bad Schönborn/Kronau als Möglichkeit für ein Sozialpraktikum gekommen und wie lief die Kontaktaufnahme?
Auf der Homepage unserer Schule war eine Liste erstellt worden, aus der wir uns eine Einrichtung aussuchen sollten, die uns interessierte. Auch die Flüchtlingshilfe Bad Schönborn/Kronau war darin mit E-Mail-Adresse und Telefonnummer aufgeführt, sodass eine unkomplizierte Kontaktaufnahme möglich war. Die Möglichkeit eines Praktikums bei der Flüchtlingshilfe hat sofort mein Interesse geweckt, da ich vor den Menschen, die gezwungen waren, ihre Heimat zu verlassen, großen Respekt habe und diese gerne näher kennenlernen wollte, um ihre Geschichte zu erfahren, aber vor allem um ihnen zu helfen, sich bei uns zurechtzufinden.

Sehr schnell wurde meine E-Mail von der Koordinatorin der Schulbegleitung bei der Flüchtlingshilfe, Frau Lewe, beantwortet. Sie unterbreitete mir das Angebot, einen Erstklässler in der Schule zu begleiten, da er dort noch Schwierigkeiten habe. Die übrige Kommunikation lief danach größtenteils über WhatsApp ab.

 

Hattest du die Möglichkeit, das zu betreuende Kind und seine Familie vor Praktikumsbeginn kennenzulernen?
Etwa einen Monat vor Praktikumsbeginn kontaktierte mich Frau Lewe für ein Treffen mit der Familie des zu betreuenden Kindes. Mit ihr zusammen besuchte ich die Familie zu Hause. Dadurch konnte ich einen ersten Eindruck von dem Schüler bekommen und mir von seiner Mutter berichten lassen, was sie in Deutschland schon alles erlebt hatten und wie das Kind in der Schule vorankommt. Die Familie hat mich dabei sehr herzlich empfangen und nebenbei wurde für mich deutlich, dass die Flüchtlingshilfe Bad Schönborn/Kronau bereits viel geleistet hatte und die Menschen täglich unterstützt.

 

Hast du außer der Koordinatorin weitere Personen, die ehrenamtlich bei der Flüchtlingshilfe tätig sind, kennengelernt?
Bei dem Besuch war auch noch eine weitere Person anwesend, die dem Schüler bei den Hausaufgaben hilft. Von ihr habe ich viel über die Schulentwicklung des Kindes erfahren, beispielsweise, welche Schwierigkeiten es in der Schule hat, aber auch über seine Hobbys, welche ihm helfen, sich zu integrieren.

 

Welche Aufgabe wurde dir zugewiesen?

Meine Aufgabe war es, das Kind nach Absprache mit den Lehrkräften während des kompletten Schulalltags zu betreuen. Dafür saß ich während des Unterrichts bei ihm und half ihm bei Arbeitsblättern, ließ mir etwas vorlesen oder ermahnte es auch, sich ruhig zu verhalten. Auch während der großen Pausen hatte ich beim Toben auf dem Schulhof ein Auge auf ihn gerichtet. Selbstverständlich unterstützte ich auch andere Kinder, wenn sie mich um Hilfe baten, zum Beispiel beim Basteln der Muttertagsgeschenke. Im Sportunterricht half ich beim Aufbau der Geräte oder aber beaufsichtigte einmal zwei Raufbolde bei ihrer Strafarbeit.

 

Welche Erfahrungen hast du während deines Praktikums gemacht?

Ich habe eine ganz neue Erfahrung gemacht und bin, offen gesagt, auch teilweise an meine Grenzen gestoßen. Für das zu betreuende Kind stellte ich nicht wirklich eine Autoritätsperson dar, sodass es zu Beginn kaum auf meine Mahnungen gehört hat und wenn seine Konzentration nachgelassen hatte, auch nicht mehr zum Weiterarbeiten zu überreden war. Dieses Verhalten hat mich sehr viel geduldiger werden lassen und ich habe auch mehr Durchsetzungsvermögen erworben. Dies konnte ich daran erkennen, dass es sich zum Ende hin etwas besserte. Es gab auch sehr schöne Erlebnisse, zum Beispiel die Begeisterung des Kindes, wenn es eine Aufgabe alleine gelöst hatte und diese richtig war,  oder der eine oder andere lustige Augenblick mit den Klassenkameraden. Ich werde auch immer in Erinnerung behalten, wie herzlich mich die gesamte Klasse aufgenommen hat und wie jedes Kind ganz individuell den Schulalltag bewältigt hat. Am schönsten für mich war jedoch, wie die Kinder mich verabschiedet haben. Eine Schülerin hat zu mir gesagt: „Ich freue mich so, wenn ich dich strahlen sehe“ und mich umarmt.

Ich habe durch das Praktikum erfahren, wie sich das Verlassen der Heimat, die vielen neuen Eindrücke und die Ortswechsel auf die Menschen auswirken und dass die Kinder durch diese Belastungen häufig Konzentrationsstörungen in der Schule haben. Deshalb wünsche ich mir, dass sich noch mehr Menschen finden werden, die jene unterstützen und nehme es mir selbst auch vor.

Insgesamt war es eine eindrucksvolle Erfahrung und ich bedanke mich für diese tolle Möglichkeit bei der Flüchtlingshilfe Bad Schönborn/Kronau.

 

Liebe Marie, herzlichen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, unsere Fragen zu beantworten. Wir danken dir sehr für deinen Einsatz. Für deine weitere Schulzeit wünschen wir dir viel Erfolg.

 

Auch im kommenden Schuljahr werden wir unsere Arbeit in der Schulbegleitung und der Hausaufgabenhilfe fortsetzen. Wir haben bereits Anfragen erhalten. Falls sich jemand vorstellen kann, unser Team dabei zu unterstützen, kann er/sie sich gerne an die Flüchtlingshilfe in Bad Schönborn und Kronau e.V. wenden. Besondere Kenntnisse sind nicht erforderlich. Wir unterstützen geflüchtete Schüler/innen und Kinder mit Migrationshintergrund vom 1. bis 9. Schuljahr. Sie kommen oft mit geringen Deutschkenntnissen in die Regelklassen. Wenn ihnen geholfen wird, hilft das auch der ganzen Klasse. Im Wesentlichen geht es darum, beim Verständnis des Schulstoffs zu vermitteln, wenn die Deutschkenntnisse noch nicht ausreichen, also Wörter und Formulierungen sowie Fragestellungen zu erklären. Es kann auch einmal sein, dass Nachhilfe für weitere Fächer benötigt wird.

Ein Einsatz 1-2x pro Woche für 1-2 Stunden, wahlweise am Vor- oder Nachmittag wäre sehr hilfreich.

G.L.